Herr Sachau, Ihr Buch Kaltduscher handelt von einer chaotischen Männer-WG. Wohnen Sie selbst in einer solchen WG oder haben Sie in einer gewohnt?
Ich hätte Geld darauf setzen sollen, dass diese Frage als erstes kommt ... Ja, ich habe auch ein paar Jahre in einer WG gewohnt. Vorbild für die WG aus Kaltduscher sind aber eher zwei Männer-WGs in denen gute Freunde von mir lebten und in denen ich oft zu Besuch war.
Was hat Sie sosehr an diesen Wohngemeinschaften fasziniert bzw. schockiert, dass Sie darüber ein Buch schreiben konnten?
Schockiert hat mich nichts, fasziniert hat mich, dass ich mich in den Küchen, die ja bei Männer-WGs immer sofort zu Kneipen mutieren, immer sehr wohlgefühlt habe. Außer den Küchen-Kneipen gab es noch zwei konkrete Dinge, die ich so bemerkenswert fand, dass ich sie einfach erzählerisch verbraten musste: Zum einen hatte die eine WG tatsächlich nur ein unbelüftetes Klo für fünf Leute. Nach dem Essen war also immer die große Frage, wer der Glückliche ist, der es als erster aufs Klo schafft. Zum anderen wachte einer meiner WG-Freunde wirklich eines morgens auf, und das erste was er sah, war ein 12er-Bohrer, der eine handbreit neben seinem Kopf aus der Wand kam. Es gibt in Berlin tatsächlich viele Hauseigentümer, die versuchen ihre unrentablen Alt-Mieter mit solchen Methoden loszuwerden. An der Kaltduscher-WG beißt sich der Vermieter allerdings die Zähne aus. Mir tut er zum Schluss fast leid.
Könnten Sie sich vorstellen, in einer Wohngemeinschaft zu wohnen, wenn Sie ein Alter erreicht haben, welches eher unüblich ist, um noch in einer WG zu wohnen?
Unbedingt. Das Mehr-Generationen-Haus ist ja im Moment groß im Kommen, wenn ich das richtig mitgekriegt habe. Wer weiß, vielleicht einen fernen Tages ...
Identifizieren Sie sich mit ihrem Hauptcharakter Oliver Krachowitzer?
Was ich an Oliver in “Kaltduscher” mag, ist, dass er die Ruhe weg hat. Das hatte ich in seinem Alter noch nicht so. Fußballerisch bewegt er sich auch auf einem hohen Level. Seine Vorliebe für Sex in Umkleidekabinen teile ich zwar nicht, aber sonst könnte er tatsächlich ein Vorbild für mich sein. Allerdings müsste er dazu noch ein wenig sein Phlegma ablegen. Andererseits ist dieses notorische in den Tag hinein Leben ganz wichtig für die Geschichte. “Kaltduscher” ist für mich nicht nur ein Comedy-Roman, sondern auch eine kleine Hymne auf das verwirrende und wunderbare Niemandsland zwischen jugendlich und erwachsen.
Denken Sie, dass man etwas verpasst, wenn man nicht die Möglichkeit hat, eine solche Lebenserfahrung zu machen wie in einer Männer-WG zu wohnen?
Wenn es eine gemeinsame Ebene gibt und die gibt es bei Männern fast immer, ich sage nur Bier und Fußball dann entsteht ein, hm, sagen wir ruhig, obwohl es recht abgegriffen klingt, Band zwischen den Jungs, das auch Jahrzehnte später noch hält, wenn der eine längst Filmstar und der andere Fischverkäufer auf dem Wochenmarkt geworden ist. Nein, das ist keine romatische Vorstellung, das ist wirklich so.
Ihre im Buch beschriebene WG, ist eine Wohngemeinschaft, in der nur Männer wohnen. Inwiefern unterscheidet sich diese zu einer Wohngemeinschaft, in der nur Frauen wohnen würden?
Ich kenne nur Zweier-Frauen-WGs. Alles Frauen, die sehr, sehr eng befreundet sind. Ich habe also keine Ahnung, wie es in einer Fünfer-Frauen-WG zugeht. Eine gute Freundin sagte mal, dass, wenn man fünf Frauen in ein Zimmer sperrt, Streit entsteht und wenn man fünf Männer in ein Zimmer sperrt, eine Skatrunde, aber das stimmt wahrscheinlich nicht. Ich selbst kann auch gar kein Skat ...
„Schief gewickelt“ war Ihr Roman-Debüt. Warum denken Sie hatte die Geschichte des überforderten Papas Markus Heisenkamp so großen Erfolg bei den Lesern?
Comedy in Romanform ist ein Feld, dass andere bereits großartig vorbereitet hatten. Zum einen gab viele humorlastige Frauenromane wie die von Kerstin Gier und Sophie Kinsella, zum anderen hatte Tommy Jaud mit seinem “Vollidiot” mit großem Erfolg den Typ Chaosmann ins Rennen geschickt. Falls du das liest danke Tommy! Einen Riesenschub verdankt “Schief gewickelt” natürlich Jürgen von der Lippe, der in seiner Sendung “Was liest du?” gemeinsam mit Carolin Kebekus so genial daraus vorgelesen hat, dass die Zuschauer, vor Lachen vom Stuhl gekippt sind einschließlich mir, obwohl ich jede Pointe kannte. Diese Sendung sollte noch öfter kommen. Und früher.
Wie geht’s jetzt weiter? Haben Sie schon ein neues Buchprojekt?
Der nächste Comedy-Roman heißt “Wir tun es für Geld” und ist so gut wie fertig. Ein Mann und eine Frau, die in Wirklichkeit kein Paar sind, heiraten, um dem Finanzamt ein Schnippchen zu schlagen. Am Anfang klappt alles gut, aber dann zieht zufällig ihr Finanzbeamter unter ihnen ein, und nun müssen sie wirklich Ehe spielen. In diesem Buch sind Pointen und Slapstick noch enger mit Romantik und großen Gefühlen verbunden. Tolle Vorbilder findet man da in den Screwball-Komödien der 30er- und 40er-Jahre, allen voran in den Filmen von Ernst Lubitsch.